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15. August 2026 · Teilnehmerblatt

Levitikus

Lektion 3 · Brandopfer und Speisopfer — die ganze Hingabe und die Hingabe im Alltag

Bibelübersetzung: Lutherbibel 2017Leitung: Bruder KaiLektion 3 von 8

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Weil Leben im Blut ist, kann es Sühne schaffen

1. Das einzige der fünf Opfer, bei dem kein Blut fließt

Vor dem Unterricht stellte mir ein älterer Bruder eine sehr gute Frage: Gibt es im Buch Levitikus ein Opfer ohne Blut?

Es gibt tatsächlich eines, das Speisopfer, und darauf kommen wir heute noch. Die Schwierigkeit ist nur: Das Speisopfer wird in den meisten Fällen zusammen mit dem Brandopfer dargebracht. In sich selbst fließt bei ihm kein Blut, aber es bleibt an jenes Opfer gebunden, das ganz hingegeben wird; die beiden gehören zusammen.

2. Denn des Leibes Leben ist im Blut

Warum muss beim Opfer überhaupt Blut fließen? Weil das Blut für das Leben steht. Die Schrift erklärt das selbst:

„Denn des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch für den Altar gegeben, dass ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut wirkt Entsühnung, weil das Leben in ihm ist." 3. Mose 17,11

Diesen Vers sollten Sie sich notieren; er enthält zwei Schwerpunkte. Der erste liegt in der ersten Hälfte: Das Leben des Geschöpfs ist im Blut, und darum kann Sühne nur geschehen, wenn Leben für Leben eintritt — weil Leben im Blut ist, kann es Sühne schaffen.

Wer nicht von der Schrift her denkt, kommt ganz von selbst auf den Gedanken: Wäre es heute nicht viel bequemer, sich mit Geld einen Ablassbrief zu kaufen? Aber hier steht ein Grundsatz der Schrift im Weg: Was kein Leben hat, kann nicht für das eintreten, was Leben hat. Könnte Lebloses das Lebendige vertreten, dann wäre der Ablasshandel folgerichtig. Und Sie wissen, wie viel Verderben der Ablasshandel in der Kirchengeschichte gebracht hat, wie viel Dunkelheit er bedeutete, bis hin zu sozialer Ungerechtigkeit und einer harten Scheidung zwischen Armen und Reichen. Als Martin Luther 1517 seine fünfundneunzig Thesen anschlug, ging es genau um diese Sache. Deshalb sagt die Schrift: Nur Leben kann Leben zudecken; ein lebloser Stoff kann für ein Leben nicht eintreten. Diesen Satz müssen wir festhalten.

Und doch: Das Blut von Rindern und Schafen kann das Leben eines Menschen nicht zudecken, denn sie sind Tiere; wie sollte ein Tier für den Menschen eintreten, der Gottes würdiges Ebenbild trägt? Der Psalm hat es längst gesagt: „Meinst du, dass ich Fleisch von Stieren essen wolle oder Blut von Böcken trinken?“ Ps 50,13 Was Gott will, ist „ein geängstetes, zerschlagenes Herz“ Ps 51,19.

Zur Zählung: Die chinesische Bibel (Chinese Union Version) zählt diesen Vers als Psalm 51,17, die Lutherbibel 2017 als Psalm 51,19. Es ist derselbe Vers; die deutsche Zählung schließt die Überschrift des Psalms mit ein.

Damit sind wir wieder bei dem, was der HERR im Buch Levitikus deutlich macht: Wenn wir erkennen, dass wir gesündigt haben, und vor unseren Augen einem lebendigen Tier der Atem ausgeht, dann sollen wir mit aller Klarheit begreifen, dass Sünde den Tod kostet. Und doch kann das Tier das Leben des Menschen nicht ersetzen, denn nur Leben tritt für Leben ein. Darum kam im Neuen Bund Jesus Christus, das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Jesus ist uns in allem gleich geworden, und deshalb kann sein Blut, sein Leben, unser Leben wirklich zudecken. So wurde das Opfer des Alten Bundes zum Schatten, der jenes teure Blut ankündigt, das wirklich Kraft hat.

3. Ich habe es euch gegeben

Der zweite Schwerpunkt ist die zweite Hälfte, die man leicht überliest: Ich habe es euch für den Altar gegeben.

Sehen Sie genau hin: Dieses Blut ist nicht das Werk unserer Hände. Ziegen, Rinder, Tauben — alle sind sie von Gott geschaffen; auch das Opfertier bringt kein Mensch hervor. Dass Gott das Blut dieser Geschöpfe dem Menschen gibt, heißt: In der Sache der Sühne kann der Mensch mit seinen Werken schlechterdings nichts ausrichten. Selbst wenn er das Tier zum Brandopferaltar führt und darbringt, sagt die Schrift von diesem Blut, dass Gott es uns gegeben hat.

Erinnern Sie sich an die erste Lektion? Opfern heißt vor allem: Gott nahe kommen. Und die Gabe des Opfers ist eben jene Gabe, die Gott selbst bereitet hat. Damit ist auch hier schon angekündigt: Jesus Christus ist ebenso der von Gott für uns Bereitete, die wahre Opfergabe. So fügen sich die Offenbarung des Alten und des Neuen Bundes zusammen. Der Römerbrief sagt, dass wir nicht aus Werken gerettet werden, sondern aus Gnade. Das Blut der Opfertiere nimmt die Sünde des Menschen nicht weg, aber Gott hat seinen eigenen eingeborenen Sohn bereitet, der sie für uns wegnimmt. Jesus Christus ist die größte Opfergabe, die Gott für uns bereitet hat, und zugleich das schönste Geschenk. Ich denke, das ist eine Wahrheit, die Ihnen in der Gemeinde längst vertraut ist.

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Gott redet durch den Ritus

1. Man muss sich in die Lage Israels stellen

Ich muss es aussprechen: Levitikus ist kein leicht zu lesendes Buch. Deshalb wollte ich bei der Vorbereitung den Überblick noch einmal wiederholen.

Wer dieses Buch liest, muss sich in den Zusammenhang stellen, in dem Israel damals stand. Sie waren gerade aus der ägyptischen Kultur herausgekommen und standen vor dem Eintritt in eine noch verwickeltere kanaanäische Kultur. Geschichte und Archäologie sagen uns, dass die Bosheit Kanaans die Ägyptens weit übertraf. Darum gehören Exodus und Levitikus zusammen gelesen: Der HERR redet zu einer Schar, die gerade Ägypten entronnen ist und nun in der Wüste steht.

Und dann ist zu fragen: Was hat Jesus Christus vom Neuen Bund her vollbracht? Das ist die Arbeit, die uns dieses Semester begleitet — wie Levitikus mit dem Neuen Bund zusammenhängt, besonders mit der Gnade der Rechtfertigung aus Glauben im Römerbrief. Es geht dabei nicht nur um gedankliches, logisches Verstehen. Die dringendere Frage lautet: Was sagt Gott durch Levitikus heute Ihnen, hier, in Ihrem Leben? Und wie antworten wir darauf? Es geht nicht darum, ein Wissen mehr zu haben.

2. Biblische Theologie und systematische Theologie

Hier ein Begriff, den Sie vielleicht noch nicht gehört haben und der es wert ist, notiert zu werden: biblische Theologie.

In der Gemeinde sprechen wir gewöhnlich von systematischer Theologie. Sie handelt vom dreieinigen Gott, von der Christologie, von der Lehre vom Menschen. Ihr Vorgehen gleicht einem Schnitt quer durch die ganze Schrift, mit dem man die gleichartigen Bestandteile herauslöst: wo im Alten Testament von Christus die Rede ist, wo vom Heiligen Geist, wo vom HERRN; wo im Neuen Testament vom HERRN, vom dreieinigen Gott. Alles wird herausgeschnitten und gemeinsam untersucht.

Mir liegt eine andere Blickrichtung näher, die biblische Theologie. Beide stehen nicht gegeneinander, sie sehen nur von verschiedenen Seiten. Die biblische Theologie fügt einen wichtigen Bestandteil hinzu: die Zeit. Sie folgt der zeitlichen Abfolge und sieht darauf, wie Gott zu seinem Volk redet. Wer das Alte Testament mit diesem Blick liest, erkennt: Gott redet in einer Sprache, die Israel damals verstehen konnte, in ihrer Lage um 1500 vor Christus. Darum gab es damals Opfer — Jesus Christus hatte sich selbst noch nicht dargebracht. Erst im Neuen Bund ist jene eine Darbringung vollkommen. Im Alten Bund wurde nur das Blut von Tieren dargebracht; im Neuen Bund aber hat Jesus Christus unsere menschliche Gestalt angenommen und ist uns in allem gleich geworden, und darum kann sein Blut an unsere Stelle treten.

3. Gott redet durch den Ritus

Wir sehen auch: Der HERR ruft Mose aus der Stiftshütte. Davon war schon in der ersten Lektion die Rede — erinnern Sie sich? Gott ruft. Gott ruft sein Volk, ihm nahe zu kommen. Gott spricht, um mit dem Menschen Umgang zu haben.

Auf welche Weise nun redet Gott im ganzen Buch Levitikus? Liebe Geschwister, Gott redet durch den Ritus des Opfers. Er redet durch den Ritus.

Ist der Ritus also wichtig? In der ersten Lektion haben wir darüber gesprochen: sehr wichtig. Die Krönung eines Kaisers ist ein Ritus; unsere Taufe ist ein Ritus, die Trauung ist ein Ritus; und selbst wenn ein Mensch am Ende seines Weges angekommen ist, ist die Beerdigung, die seine Angehörigen ihm ausrichten, ein bedeutender Ritus. Der Ritus selbst redet ununterbrochen.

4. Der Ritus wird nicht gehört, sondern geübt

Wie aber redet der Mensch durch den Ritus? Gott redet durch den Ritus zu seinem Volk, und das Volk erfährt in der immer wiederholten Übung des Ritus, wie Gott redet.

Der Ritus in Levitikus ist nichts, was man zu Hause sitzend anhört; er verlangt Handeln. Sie verstehen, was ich meine: Er will beständig geübt sein. Das Volk schlachtete an den Festen die Tiere und brachte die verschiedenen Opfer dar, und gerade in diesen Handgriffen erfuhr es immer wieder die Gegenwart des Wortes Gottes.

Auch im Neuen Bund redet Jesus Christus zu uns; darum ist dieses Reden so wichtig. Wir im Neuen Bund haben die alttestamentliche Opferordnung nicht mehr, aber Gott redet durch die Schrift mit uns, durch sein Wort zu seinem Volk von heute. Israel kam Gott nahe, indem es dem Ritus gehorchte; wie also antworten wir heute auf Gottes Reden, so wie jenes Volk die Riten durchlebt hat?

Damit sind wir bei dem, was ein Pastor unserer Gemeinde immer wieder sagt und dem ich von Herzen zustimme: Wir sollen in der Stille vor Gott üben und in der Zweierschaft der Jüngerschaft üben. Wer nicht übt, versteht nicht, wie wir Gottes Reden an uns erfahren.

Sehen Sie einmal durch die ganze Schrift: Warum wächst der eine schnell im Glauben und der andere kommt nicht vom Fleck? Fragen Sie, ob er es weiß — er scheint es zu wissen. Fragen Sie, ob er es nicht weiß — er weiß es wohl auch wirklich nicht. Es bleibt immer im Ungefähren. Fragen Sie ihn nach der Rechtfertigung aus Glauben, so scheint er sie zu kennen; fragen Sie weiter, was das Evangelium sei und was Rechtfertigung aus Glauben heiße, dann bringt er es nicht heraus. Woran liegt es? Es liegt am Gehorsam und an der Übung.

Was Levitikus uns gibt, ist dies: im Ritus des Opfers Gott beständig zu gehorchen und beständig zu üben; und das entspricht dem, was wir heute in unseren Gemeinden tun, wenn wir die Schrift lesen und dem Herrn nahe kommen — dem Sinn nach ist es dasselbe. Wer nicht übt, wer sich auf diesen Ritus nicht einlässt, kommt nicht hinein. Sie schlagen die Bibel auf, Sie schlagen den Text auf, Sie werden einen Augenblick still, Sie bereiten sich vor — erst dann kommen Sie gleichsam in den Zustand hinein, in eine Atmosphäre des Ritus, und so beginnt Ihre Stille mit dem Herrn. Ich höre auch von Geschwistern in Taiwan, dass sie sich samstags zur Bibelstunde aufrecht hinsetzen, die Bibel aufschlagen, sich vorbereiten und zur Ruhe kommen. Das ist eine Übung des Ritus, und für uns ist es genau dasselbe.

5. Die Götter Kanaans lassen raten, der Gott Levitikus' sagt es klar

Hier kehren wir zu der Frage jenes Bruders zurück. Dass im Blut Sühne liegt, muss man vor dem Hintergrund der kanaanäischen Kultur verstehen. Die Götter Kanaans sind ganz anders als der HERR: In ihrer Götterwelt wirkt vor allem eine unreine Macht, man treibt Zauberei und bringt Kinder als Opfer dar — „Du sollst auch nicht eins deiner Kinder geben, dass es dem Moloch geweiht werde, damit du nicht entheiligst den Namen deines Gottes; ich bin der HERR." 3. Mose 18,21

Levitikus redet nicht so. Es sagt, dass Gott ein heiliger Gott ist, und wie heilig er ist. Man kommt ihm daher nicht mit einer Macht nahe, die der Mensch selbst hervorbringt, nicht durch Wahrsagerei, Totenbefragung oder Zauberei. In Levitikus sagt Gott klar und deutlich: Ihr braucht nicht zu raten; auf diesem Weg dürft ihr mir nahen. Auf welchem Weg? Durch die Unterscheidung von rein und unrein, durch die Unterscheidung von heilig und profan.

6. Drei Schlüsselwörter: Heiligkeit, Opfer, Sühne

Vorige Woche sprachen wir auch von der Mitte des Buches. Levitikus hat siebenundzwanzig Kapitel, und der Versöhnungstag in Kapitel sechzehn ist so etwas wie der Gipfel. Die Kapitel eins bis fünfzehn handeln davon, wie der Mensch rein wird und Gott naht; und wenn wir dann mühsam über den Gipfel von Kapitel sechzehn gekommen sind, tragen wir Segen und Verheißung Gottes mit uns und müssen fragen: Wie führen wir ein abgesondertes, Gott gehörendes Leben?

Levitikus hat darum drei Schlüsselwörter, die Sie sich unbedingt notieren sollten: Heiligkeit, Opfer, Sühne.

Die Heiligkeit sagt uns, dass der Mensch von sich aus keine Heiligkeit hat. Wir sprachen letztes Mal darüber: Was der Mensch für Heiligkeit hält, ist eine Reinheit des Willens und der Sitte; die Heiligkeit der Schrift aber weist auf Gott, er selbst ist das Wesen der Heiligkeit. Nur in ihm, nur in der Heiligkeit, kann der Mensch Heiligkeit leben. Entfernt er sich von dieser Heiligkeit, bleibt er nicht in ihm, so hat er keine Heiligkeit. Von sich aus kann der Mensch keine Heiligkeit haben. Die einzige Bedingung ist also, ihm nahe zu kommen, sich an ihn zu halten.

Darum sagt Levitikus immer wieder: Der Mensch ist unrein, der Mensch ist befleckt — was nun? Durch die Ordnungen der Heiligkeit, durch die Riten der Heiligkeit soll er Gott nahen können und in den Stand der Heiligkeit zurückkehren, der ihm von Anfang an zukam. Genau darauf antwortet der Neue Bund. Was ist der wichtigste Satz der Paulusbriefe? „In Christus". In Christus haben Sie neues Leben; in Christus können Sie ein Leben führen, an dem Gott Gefallen hat; in Christus gibt es heiliges Leben. Der Kolosserbrief sagt es ebenso: Gott hat „uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes" Kol 1,13 — man kann auch sagen: in die Gnade in Christus, in die ganze Fülle in Christus, in das Leben in Christus; erst dort lässt sich die Gestalt Christi leben. Der Alte Bund sagt es so: In dem heiligen Gott können Sie Heiligkeit leben; sind Sie nicht in dem heiligen Gott, so haben Sie keine Heiligkeit.

Heiligkeit hat also eine Grenze. In meiner täglichen Leseordnung kam ich diese Woche gerade zu Hesekiel, und auch dort ist von einer Mauer die Rede, die zwischen heilig und profan scheidet: „Nach allen vier Windrichtungen maß er. Und es war eine Mauer ringsherum, fünfhundert Ellen im Geviert, damit das Heilige von dem Unheiligen geschieden sei." Hes 42,20 Das ist ein wichtiges Bild. Ebenso ist das Opfer der Weg der Versöhnung mit Gott, das Kommen vor sein Angesicht mit einer Gabe; und über den Begriff der Sühne sprechen wir dann beim Sündopfer gemeinsam weiter.

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Der Unterschied zwischen den fünf Opfern: Wohlgefallen und Vergebung

1. Die fünf Opfer

Eigentlich hatte ich gehofft, heute die fünf Opfer aus den Kapiteln eins bis sieben durchzunehmen; ich halte das für kaum machbar. Ich gehe lieber unserem eigenen Gedankengang nach und bleibe bei manchen Einzelheiten stehen.

Bekommen Sie sie zusammen? Die fünf Opfer des Buches Levitikus sind: Brandopfer, Speisopfer, Dankopfer, Sündopfer, Schuldopfer. Diese fünf sollten Sie sich unbedingt merken.

Sie stehen für fünf verschiedene Verhältnisse im Leben. Wenn wir vor Gott treten, geht es nicht nur um Sühne; wir bringen auch Brandopfer dar, Dankopfer, Speisopfer. Vorige Woche sprachen wir vom Brandopfer; das Speisopfer und das Dankopfer sind heute neu.

Zur Übersetzung: Die Lutherbibel 2017 nennt das dritte Opfer „Dankopfer“. Die chinesische Bibel spricht vom „Friedensopfer“ und vermerkt „Vergeltungsopfer, Dankopfer“ als andere Möglichkeit. Der Gedanke der Tischgemeinschaft, auf den der Redner hinausmöchte, klingt im deutschen Wort weniger deutlich mit; im Englischen heißt es „fellowship offering“.

2. Freiwillige Opfer und gebotene Opfer

Die ersten drei heißen freiwillige Opfer, Opfer aus willigem Herzen; sie haben mit Sünde wenig zu tun. Die letzten beiden, Sündopfer und Schuldopfer, sind gebotene, notwendige Opfer.

Warum sind die ersten drei freiwillig? Schlagen Sie die Bibel auf und machen Sie sich einen Strich an den Rand. Kapitel eins spricht vom Brandopfer: „Wer unter euch dem HERRN ein Opfer darbringen will, der bringe es von dem Vieh, von Rindern oder von Schafen und Ziegen." 3. Mose 1,2 Am Zusammenhang sieht man: Dieses Gott wohlgefällige Opfer hat mit Sünde nichts zu tun — auch wenn hier die Worte „für ihn Sühne schaffe" stehen; darauf komme ich gleich.

Kapitel zwei, Vers eins: „Wenn jemand dem HERRN ein Speisopfer darbringen will, so soll es von feinem Mehl sein, und er soll Öl daraufgießen und Weihrauch darauflegen" 3. Mose 2,1 — wieder ein „wenn jemand will", also aus freien Stücken, ohne Bezug zur Sünde. Und in Gottes Augen gilt: „Das Übrige aber vom Speisopfer soll Aaron und seinen Söhnen gehören als ein Hochheiliges von den Feueropfern des HERRN." 3. Mose 2,3

Kapitel drei spricht vom Dankopfer: „Ist aber sein Opfer ein Dankopfer und will er ein Rind darbringen, es sei ein männliches oder ein weibliches, so soll er vor dem HERRN ein Tier opfern, das ohne Fehler ist." 3. Mose 3,1 Auch dieses wird dem HERRN als Feueropfer zum lieblichen Geruch dargebracht. Die ersten drei Opfer bringt der Mensch also aus freien Stücken, aus willigem Herzen dar.

Darauf kommt es hier an: Gott fordert sie nicht mit Härte ein. Aber wenn Sie in Ihrem Leben, in Ihrer ganzen Lebenszeit, solche Opfer willig darbringen, dann ist es Gott ein lieblicher Geruch, es findet sein Wohlgefallen, er sieht es als gut an.

Beim Sündopfer ändert sich die Ausdrucksweise: „Wenn jemand aus Versehen gegen irgendein Gebot des HERRN sündigte und täte, was er nicht tun sollte" 3. Mose 4,2 — dann muss er dies und das tun. Hier steht eine Bedingung: Sie haben aus Versehen getan, was Gott nicht erlaubt, und darum müssen Sie dieses Opfer bringen. Ebenso beim Schuldopfer, ab Kapitel fünf, Vers fünfzehn: „Wenn jemand sich vergreift und aus Versehen sich versündigt an dem, was dem HERRN geweiht ist, so soll er für seine Schuld dem HERRN einen Widder ohne Fehler von der Herde als Schuldopfer bringen" 3. Mose 5,15.

Hier ist zu unterscheiden. Bei den ersten drei Opfern heißt es „wohlgefällig" — „Und er lege seine Hand auf den Kopf des Brandopfers, damit es ihn wohlgefällig mache und für ihn Sühne schaffe." 3. Mose 1,4 Bei den letzten beiden heißt es „so wird ihm vergeben" — „Der soll die Sühnung für ihn vollziehen mit dem Widder des Schuldopfers, so wird ihm vergeben." 3. Mose 5,16

Das eine ist Wohlgefallen, das andere Vergebung; die Voraussetzungen sind verschieden.

Ich frage mich selbst: Komme ich nur dann vor Gott, wenn ich etwas falsch gemacht habe und um Vergebung bitten muss? Oder gibt es auch Zeiten, in denen mich niemand drängt und nichts vorgefallen ist, und ich mich schlicht willig hingebe, damit er Wohlgefallen an mir habe?

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Das Brandopfer: die ganze Hingabe

1. Das Brandopfer steigt auf, es ist das ganze Opfer

Vorige Woche sprachen wir vom Brandopfer. Schreiben Sie sich in Ihre Bibel oder in Ihre Notizen: Das Brandopfer bedeutet das ganze Opfer. Das hebräische Wort dahinter heißt „Aufsteigen" (עֹלָה, olah) und meint das, was verbrennt und zu Gott aufsteigt. Es ist also die ganze, restlose Hingabe; nichts bleibt zurück, und darum kann man es das ganze Opfer nennen.

Wir sind das letzte Woche schon durchgegangen, ich wiederhole es diese Woche nicht. Rind, Schaf, Taube — je nach dem, was einer aufbringen kann; die einzige Bedingung lautet: ohne Fehler. Ohne Fehler heißt vollständig, von guter Beschaffenheit, nicht aufs Geratewohl ausgesucht.

2. Die Hand auflegen heißt: sich schwer hineindrücken

Vorige Woche sprachen wir davon, dass er seine Hand auf den Kopf des Brandopfertiers legt, „damit es ihn wohlgefällig mache und für ihn Sühne schaffe" 3. Mose 1,4.

Sie wissen, warum manche in den Gottesdienst kommen und offenbar viel empfangen, warum manche in der Anbetung viel empfangen; und warum andere beiläufig hereinkommen, aus der Ferne zusehen und, gleich wie es um ihre Zeit, ihre Haltung, ihr Verhalten steht, immer Fremde zu bleiben scheinen. Ich sehe das von dieser alttestamentlichen Bedingung her: die Hand auf den Kopf des Brandopfertiers legen.

Was heißt dieser Satz? Das Tier steht für diesen Menschen. Sein ganzes Denken und Sinnen, sein Leben ist gleichsam in dieses Tier hineingesprungen; zwischen beiden besteht eine tiefe Verbindung. Vom Verstand her wissen wir, dass das Tier für den Menschen steht; in der damaligen Praxis des Volkes aber bedeutet das Wort „die Hand auflegen" ein schweres Aufdrücken, ein Hineindrücken mit Gewicht. Kein leichtes Berühren, sondern ein schweres Aufdrücken.

Es bezeichnet eine Bewegung der Hingabe. Er wirft sich wirklich hinein. Manche opfern nachlässig, bringen ein Tier mit und wollen den Ritus nur hinter sich bringen; andere opfern von Herzen und lassen dieses Tier tatsächlich an ihre Stelle treten. Dazwischen liegt ein großer Unterschied. Manche gehen durch den Gottesdienst hindurch wie durch eine Formalität; Sie kommen, weil Sie kommen müssen, und sind mit dem Herzen gar nicht da. Andere sind im Gottesdienst mit ganzem Herzen da, als müssten sie sich selbst auf den Altar legen. Der Unterschied ist sehr, sehr groß.

Ich muss zugeben: Manche sind im Gottesdienst mit den Gedanken woanders; auf Taiwanisch sagt man „Seele ohne Leib", wie eine Vogelscheuche — der Mensch ist hier, sein Denken und Sinnen nicht. Es gibt aber auch die anderen, bei denen wirklich alles da ist: der Mensch, das Herz, alle Gedanken.

Können Sie es nachvollziehen? Das Opfer in Levitikus ging durch hundert, zweihundert, dreihundert, vierhundert Jahre; und zur Zeit der Könige — war die Anbetung des Volkes mehr ein Abhaken des Ritus oder mehr eine wirkliche Hingabe? Wir sehen deutlich: Im Ritus schwand der Glaube der wirklichen Hingabe immer mehr, jedes Mal wurde der Ritus nur noch absolviert — man kam vor Gott, machte es eben so, und damit hatte es sich. Das Gefühl des Rituellen wurde immer dichter, bis das Volk in einen Zustand geriet, in dem es äußerlich die Gebote des HERRN hielt, unser Herz sich aber von ihm entfernt hatte.

Genau das wollte Levitikus von Anfang an treffen. Darum soll dieser Mensch sich schwer hineindrücken, schwer hineinspringen, als spränge sein ganzer Mensch auf den Kopf jenes Brandopfertiers.

3. Warum auch das Brandopfer „für ihn Sühne schafft"

An dieser Stelle stellte eine Schwester eine sehr gute Frage: Kapitel eins, Vers vier — wenn die ersten drei Opfer doch freiwillig sind und Gott an ihnen Wohlgefallen hat, warum steht dann beim Brandopfer am Ende noch „für ihn Sühne schaffe“?

Genau daran habe ich mir damals den Kopf zerbrochen. Ich habe mehrere Lehrer gefragt, denen ich vertraue, und auch einige Brüder; bei ihnen fand ich keine Antwort. Später hörte ich den Levitikus-Kurs von Hu Weihua im „Bibelinstitut auf Sendung“ des Senders GOODTV, und dort fand ich einige Ansätze zum Weiterdenken. Es sind mehrere Punkte, ein wenig fachlich; notieren Sie ruhig mit.

Erstens: Beim Brandopfer wird keine bestimmte Übertretung genannt. Es heißt nicht wie beim Sündopfer und beim Schuldopfer „wenn jemand aus Versehen etwas getan hat".

Zweitens: Beim Brandopfer steht nicht „so wird ihm vergeben", sondern nur „wohlgefällig".

Drittens: Das Brandopfer bringt der Mensch aus eigenem Willen dar, das Sündopfer muss er darbringen.

Viertens, und das ist recht wichtig: Das Blut des Brandopfers wird ringsum an den Altar gesprengt — „die Priester, Aarons Söhne, sollen das Blut herzubringen und ringsum an den Altar sprengen, der vor dem Eingang der Stiftshütte ist" 3. Mose 1,5; das Blut des Sündopfers dagegen wird an den Vorhang des Heiligen gesprengt — „und soll seinen Finger in das Blut tauchen und damit siebenmal sprengen vor dem HERRN, an den Vorhang im Heiligen" 3. Mose 4,6. Das ist nicht dasselbe.

Und wo steht das Wort „Brandopfer" zum ersten Mal in der Bibel? Wissen Sie es? Bei Noah:

„Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." 1. Mose 8,20-22

Achten Sie darauf: Das ist nicht das erste Opfer der Bibel — Kain und Abel opferten bereits. Aber hier steht das Wort „Brandopfer" zum ersten Mal.

Die Sühne meint hier jene Kränkung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, jene Sünde, die seit Adam und Eva besteht. Denn die Voraussetzung ist das Verderben vor Kapitel acht: Alles Tun des Menschen war böse. Als wir Genesis lasen, haben wir viel Zeit darauf verwandt; dieses Verderben gleicht faulendem Fleisch — niemand isst noch Fleisch, das verdorben ist, es wird nur immer schlechter, und es gibt kein Zurück. Deshalb setzte Gott mit der Flut ein Ende. Nachdem die Flut zurückgegangen war, kehrte die Schrift zu der von Gott gesetzten Ordnung zurück, und dieser Altar wurde zur Brücke der Versöhnung zwischen Mensch und Gott.

Die Sühne ist hier also gleichsam eine Sündhaftigkeit, die der Mensch von Geburt an mit sich bringt; nicht die Folge einer einzelnen Tat, sondern: Ich bin vor Gott von vornherein schuldig. Ich kränke ihn beständig, nicht weil ich mich in dieser oder jener Sache versehen hätte. Es ist ein immerwährendes Widerstreben des Geschöpfs gegen den Schöpfer, jenes Nichtgehorchenwollen, jenes Nichtdemütigsein. Noah baute dem HERRN einen Altar und brachte ein Brandopfer dar; dieses Brandopfer ist die Brücke der Verständigung, und zugleich tritt es für die eben geschehene Bosheit des Menschengeschlechts vor Gott ein. Es steht also nicht für die eine Übertretung eines Einzelnen.

Darum trägt das Brandopfer eine verborgene Kraft der Sühne. Der HERR spricht in seinem Herzen, dass er die Erde um der Menschen willen nicht mehr verfluchen will. Sehen Sie es? Der Fluch des Schöpfers über das Geschöpf kommt zum Stillstand, obwohl dort die Bosheit, die Sünde seit Adam und Eva liegt. Und es heißt: „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" — als brächte der Mensch von Geburt an etwas mit, das wir Erbsünde nennen; ich mag dieses Wort nicht besonders, aber sagen wir es einmal so — der Mensch widerstrebt Gott von Haus aus. Das ist etwas anderes als die Sünde, von der später beim Sündopfer und Schuldopfer die Rede ist, und auch etwas anderes als die verborgene Sünde. Hier geht es um das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Darin also liegt die sühnende Kraft des Brandopfers: Es steht für den ganzen Gehorsam des Menschen. Gleichviel welchen Rang ich habe — mein Rang gehorcht, mein Handeln gehorcht, und damit beuge ich mich vor diesem Schöpfer ganz. Mein Denken und Sinnen bittet Gott um Reinigung; durch dieses Opfer bitte ich ihn, mich ganz anzunehmen. Ich weiß, dass ich nur ein Geschöpf bin und ihm oft widerstrebe; aber Herr, nimm mich an, der ich dich so oft kränke.

4. Das Feuer soll beständig brennen: Holz und Fett

Nun zu Kapitel sechs. Dort heißt es: „Gebiete Aaron und seinen Söhnen und sprich: Dies ist das Gesetz über das Brandopfer."

In Ihrer Bibel steht dort das Wort „Priester". Tatsächlich sind in den Kapiteln sechs und sieben die Pflichten der Priester und die des Volkes ineinander verwoben. Es geht zwar vor allem darum, wie die Priester das Volk beim Brandopfer anleiten; von der anderen Seite her aber soll auch das Volk das Wort der Priester annehmen und ihrer Leitung folgen, damit das Brandopfer dargebracht werden kann. Für uns heißt das: Was den Priestern gesagt wird, ist ebenso dem Volk gesagt; es ist genau dasselbe.

„Das Brandopfer soll bleiben auf dem Herd des Altars die ganze Nacht bis zum Morgen, und es soll des Altars Feuer brennend darauf erhalten werden." 3. Mose 6,2

Zur Zählung: In 3. Mose 6 folgt die Lutherbibel 2017 der hebräischen Zählung, die chinesische Bibel der englischen. Was hier 3. Mose 6,2 und 6,5 heißt, steht dort als 3. Mose 6,9 und 6,12. Wer eine andere Ausgabe vor sich hat, findet die Verse also um sieben verschoben.

Was heißt „beständig"? Es heißt remain, es heißt fortdauern. Schreiben Sie sich ruhig remain auf, oder keep, also bewahren. In unserer chinesischen Redeweise: es soll dauern, es soll bleiben, es soll bereitgehalten sein — dieses Feuer soll ohne Unterlass brennen. Und eben darin liegt, dass man es das ganze Opfer nennt.

Es bildet also einen Menschen ab, der vor Gott ohne Unterlass weitergeht und nie stehen bleibt. Ob im Alltag, in der Arbeit, in der Anbetung, in der Gemeinde oder außerhalb — Ihr ganzes Leben lang gilt: remain and keep, immer wieder auf den Altar Gottes hineinspringen, hineinspringen, hineinspringen. Deshalb heißt es das ganze Opfer. Und unter den fünf Opfern ist dieses das grundlegendste; alle anderen ruhen darauf.

Auch „die ganze Nacht bis zum Morgen" hat sein Gewicht. Das ist der hebräische Tag, und der hebräische Tag beginnt am Abend — „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." 1. Mose 1,5

Wie also soll das Feuer beständig brennen? Die Schrift sagt: „Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nie verlöschen. Der Priester soll alle Morgen Holz darauf anzünden und oben darauf das Brandopfer zurichten und das Fett der Dankopfer oben darauf in Rauch aufgehen lassen." 3. Mose 6,5

Hier stehen also zwei Dinge: Holz und das Fett des Dankopfers. Das Dankopfer ist das Opfer der Gemeinschaft, und dieses Fett steht für die Freude, die aus dem Dankopfer kommt; sie hilft dem Feuer, ohne Unterlass zu brennen. Sie brauchen nicht nur Holz, Sie brauchen auch das Fett der Gemeinschaft.

Wie können wir denn beständig brennen? Man geht seinen Weg, und irgendwann steht man allein. Wenn der Dienst in der Gemeinde immer mühsamer wird, wie bewahren Sie ein frisches, fröhliches Herz, wie bringen Sie beständig Brandopfer dar?

Das Geheimnis steht hier. Erstens: Sie brauchen Holz, Sie müssen auf den Berg gehen und Holz holen — das heißt, Sie brauchen das Wort Gottes und alles, was er Ihnen gibt. Zweitens: Sie brauchen Fett, und dieses Fett kommt vom Dankopfer. Das Dankopfer heißt auch das Opfer der Gemeinschaft, und Gemeinschaft ist die Freude, die aus dem Miteinander der Geschwister in der Gemeinde entsteht, so wie bei unseren Liebesmahlen. Was in der Gemeinschaft, im Umgang der Menschen miteinander herabtropft, jenes Fett, ist das Kostbarste und Reichste; es hilft dem Holz zu brennen. Für die Gemeinde ist das sehr, sehr wichtig.

Wer schon einmal gegrillt hat, weiß es. Ob Sie Rindfleisch grillen oder etwas anderes — wenn das Fett auf das Holz tropft, hilft es dem Feuer doch, aufzulodern? Genau darum geht es. Das eine trägt das andere: Wie also brennt das Brandopfer beständig? Sie brauchen das Wort Gottes, und Sie brauchen die Freude, mit Geschwistern zusammen zu sein, die Freude der Gemeinde. Sonst kommen Sie nicht weit. Nur Holz und kein Fett — damit hält man nicht durch.

Das Brandopfer bedeutet also die ganze Hingabe. In unserem Leben braucht es das Wort Gottes und ebenso den Beistand der Geschwister in der Gemeinde, damit wir beständig brennen können. Unser ganzes Leben soll hingegeben sein, unser ganzer Mensch ganz hingegeben.

5. Der liebliche Geruch heißt nicht, dass Gott Fleisch isst

Und noch ein Satz: „ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den HERRN" 3. Mose 1,9. Gemeint ist ein Feueropfer, an dem Gott Wohlgefallen hat. Auf diese Weise redet Gott oft mit den Menschen, als sei er von diesem Geruch gesättigt. Das heißt natürlich nicht, dass Gott Fleisch isst; es ist eine dichterische Redeweise und sagt, dass der Mensch hier Gottes Wohlgefallen findet, sodass das Verhältnis zwischen Mensch und Gott versöhnt ist.

Beim Brandopfer bleiben wir hier stehen. Das Brandopfer ist das wichtigste Opfer; wenn Sie sich nicht ganz hingeben, nützt Ihnen auch kein Sündopfer. Denn es ist jenes Opfer, das beständig brennt und dafür steht, dass unser Mensch ganz hingegeben und vom Herrn gebraucht wird; von der Schrift her ist es das erste Opfer und zugleich der wichtigste Maßstab unter allen fünf.

6. War Abrahams Bundesopfer ein Brandopfer?

Bevor wir zum Speisopfer kommen, hatte ein Bruder noch eine Frage: Als Abraham den Bund schloss, zerteilte er die Tiere, schlief danach ein, und Gott selbst ging zwischen den Opferstücken hindurch — war das ein Brandopfer?

Sehen wir uns Genesis fünfzehn an. Vers zehn: „Und er brachte ihm dies alles und zerteilte es in der Mitte und legte je einen Teil dem andern gegenüber; aber die Vögel zerteilte er nicht." Das ist ein Bundesopfer; die Schrift sagt nicht ausdrücklich, um welche Opferart es sich handelt. Der Schwerpunkt jener Stelle liegt auf dem Bund zwischen Gott und Mensch. Namen und Einteilung der Opfer werden erst in Levitikus deutlich offenbart; erst dort treten Brandopfer, Dankopfer und Speisopfer klar hervor.

Meine eigene Sicht ist diese: Wenn die Schrift nichts sagt, können Sie vom Brandopfer her denken, denn das Brandopfer ist unter allen Opfern das grundlegendste, gleichsam die Bedingung der Versöhnung zwischen Gott und Mensch. Habe ich nicht eben von Noah gesprochen? Dort steht das Wort Brandopfer zum ersten Mal, und dort kommt der Zorn zwischen Gott und Mensch zur Ruhe; als wir Genesis lasen, haben wir es behandelt — es ist das Verhältnis der Versöhnung zwischen Mensch und Gott. Und das Opfer selbst trägt den Sinn des Bundes in sich; ob Speisopfer, Dankopfer, Sündopfer oder Schuldopfer, das Opfer ist als solches ein Zeichen des Bundes. Für mich können Sie es also ohne Weiteres als Brandopfer ansehen; nur sagt die Schrift es nicht.

Ein anderer Bruder ergänzte Genesis fünfzehn, Vers siebzehn: „Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da war ein rauchender Ofen, und eine brennende Fackel fuhr zwischen den Stücken hin." Wenn dort Feuer brennt, müsste es ein Brandopfer sein. So kann man es sagen, ich stimme zu. Darum sage ich, das Brandopfer sei unter allen Opfern das grundlegendste; nur steht das Wort „Brandopfer" nicht da, und Sie dürfen es als solches ansehen. Ein Speisopfer ist es gewiss nicht, ein Dankopfer auch nicht, denn das Dankopfer hat immer mit Gemeinschaft zu tun; ein Sündopfer ebenso wenig, denn dort gibt es keine Kränkung, kein versehentliches Vergehen und keine Ordnung der Wiedergutmachung. Nach dem Ausschlussverfahren ist das Brandopfer tatsächlich das Wahrscheinlichste.

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Das Speisopfer: die Hingabe im Alltag

1. Die vier Bestandteile des Speisopfers

Das Speisopfer ist das zweite Opfer und zugleich das alltäglichste des Volkes. Wenn Sie den ganzen Abschnitt lesen, fällt auf: Es kommt kein Tier darin vor. Es wird aus dem dargebracht, was zum täglichen Leben gehört. Sehen wir uns vier Bestandteile an; Sie können sie sich anstreichen.

Erstens feines Mehl. Zweitens Öl. Drittens die ersten Früchte — „Willst du aber ein Speisopfer dem HERRN darbringen von den ersten Früchten, so sollst du Ähren am Feuer rösten, die Körner zerstoßen und darbringen als das Speisopfer deiner ersten Früchte" 3. Mose 2,14; vieles davon ist frisch und kommt vom Acker des täglichen Lebens. Viertens Weihrauch: „so soll es von feinem Mehl sein, und er soll Öl daraufgießen und Weihrauch darauflegen" 3. Mose 2,1.

2. Das Salz des Bundes darf nicht fehlen

Zu diesen Bestandteilen kommt noch etwas Wesentliches: Es soll mit Öl vermengt sein, und es darf eines nicht fehlen: „Alle deine Speisopfer sollst du salzen, und dein Speisopfer soll niemals ohne Salz des Bundes deines Gottes sein; bei allen deinen Opfern sollst du Salz darbringen." 3. Mose 2,13

Warum heißt es Salz des Bundes? Weil Salz vor Verderben schützt. Was nicht verdirbt, hält länger, und die Zeit dehnt sich. An diesem Vorbild sieht man also: Es geht um einen langen Bund, um ein dauerhaftes Verhältnis, um eine Beziehung, die nicht zerbrochen werden kann. Das Opfer als solches bedeutet Bund, und das Salz ist hier besonders wichtig: Es sagt, dass Sie auch mit den ganz gewöhnlichen Dingen des Alltags opfern dürfen — und was dabei nie fehlen darf, ist das Salz des Bundes.

3. Kein Sauerteig, auch kein Honig

Eines aber ist nicht erlaubt: „Alle Speisopfer, die ihr dem HERRN opfern wollt, sollt ihr ohne Sauerteig machen; denn weder Sauerteig noch Honig sollt ihr dem HERRN zum Feueropfer in Rauch aufgehen lassen." 3. Mose 2,11

Warum kein Sauerteig und kein Honig? Weil beide das Wesen der Sache verändern. Kommt Sauerteig an die Traube, so wird Wein daraus; kommt Sauerteig oder Honig in Ihr Mehl, so ist sein ursprüngliches Wesen verändert. Wofür steht das? Wenn Sie dieses Element aufnehmen, verändern Sie Ihr eigenes geschöpfliches Wesen — und dieses Geschöpf soll heilig sein. Das Vorbild der Schrift lautet hier also: Ihr sollt das Wesen, das Gott geschaffen hat, nicht verändern; ihr sollt es so, wie es ist, darbringen.

Im Neuen Bund steht Sauerteig auch für die Sünde; Sie können sagen, er stehe für jene Sünde, die das Wesen verändert. Aber in den Gleichnissen des Neuen Bundes steht der Sauerteig ebenso für die Gemeinde — kommt Sauerteig in den Teig, so geht er auf, und der ganze Teig wird durchsäuert. Viele Vorbilder haben also zwei Seiten und nicht nur eine. Im Neuen Bund steht der Sauerteig manchmal für Schlechtes, manchmal für Gutes; hier im Alten Bund aber heißt es klar: kein Sauerteig, kein bisschen Sauerteig und kein bisschen Honig als Feueropfer für den HERRN, denn beides verändert das Wesen des Speisopfers.

Das ist eine wichtige Mahnung. Schon in den kleinsten Dingen des Alltags ist abgebildet, dass alles, was wir hervorbringen, dem HERRN gehören soll. Was hat das mit unserem Alltag zu tun? Es zeigt sich im Großen wie im Kleinen: Auch dort, wo niemand hinsieht, soll gleichsam ein Speisopfer dargebracht werden. Es geht also nicht darum, wie beim Brandopfer ein Rind oder ein Schaf zu führen und Blut fließen zu lassen; das Speisopfer betont gerade das Häufigste im Alltag — auch dort sollen Sie sich Gott hingeben und von ihm gebraucht werden. Und im Alltag soll kein Sauerteig und kein Honig dabei sein, die das Wesen dessen verändern, was Gott gefällt; stattdessen soll jenes Salz des Bundes da sein, das Gottes beständig gedenkt.

So lautet also die Bedingung des Speisopfers: Der Mensch gefällt Gott im Alltag; und wo das Salz des Bundes da ist, dort ist die Bürgschaft eines Bundes zwischen Gott und Mensch, der nie zerbricht.

4. Ist das Brandopfer schwerer oder das Speisopfer?

Ich stelle Ihnen eine hypothetische Frage: Was ist schwerer darzubringen, das Speisopfer oder das Brandopfer?

Manche sagen, das Brandopfer sei schwerer. Ich halte das Speisopfer für schwerer. Ehrlich gesagt: Das Brandopfer wirkt groß und laut, das bringen alle zustande. Das Speisopfer aber liegt im Alltag, an Stellen, die niemand sieht, und niemand weiß, was Sie dort tun. Sehen Sie das Salz? Im fertigen Gebäck sehen Sie es nicht, und den Sauerteig auch nicht; beides ist untergemischt, es zeigt sich nicht nach außen, sondern wirkt im Inneren. Und gerade in den häufigsten Dingen soll alles unter Gottes Herrschaft stehen, und das tägliche Denken und Sinnen soll bereit sein, vor sein Angesicht gebracht zu werden. Für mich ist wirklich das Speisopfer die größere Herausforderung.

Eine Schwester sagte, ihr falle das Brandopfer schwerer; das Speisopfer scheine ihr eher machbar — der Ordnung nach kein Sauerteig, Salz, Öl, kein Honig, das bekomme sie hin. Ich antwortete: Wir sollen das Opfer vollbringen, aber Sie müssen ganz genau wissen, ob wir es überhaupt vollbringen können und was wir vermögen; am Ende geht alles auf Gottes Gnade zurück. So bleibt das Speisopfer eine Antwort — eine Antwort auf die Gnade, mit der Gott mich im Großen wie im Kleinen des Alltags bewahrt.

Eine andere Schwester in Deutschland sagte, ihr falle das Speisopfer sehr schwer. Das Brandopfer sei so, wie wir jeden Sonntag zur Anbetung gehen: Da könne sie ganz dabei sein, die Fülle des Heiligen Geistes spüren, tief bewegt sein. Aber nach dem Gottesdienst, in der Zeit von Montag bis Samstag, müssten wir beständig das Speisopfer darbringen — und das sei schwerer.

Mir geht es genauso. Gott sieht bei mir im Kleinen, in meinem Denken und Sinnen, nicht nur auf das Äußere meines Alltags; wie mein Denken und Sinnen sich zeigt, da ist manches beigemischt, von dem ich selbst nichts weiß. Wenn ich am Sonntag in der Gemeinde anbete, geht mir oft doch anderes aus der Gemeinde durch den Kopf, ich denke an alles, was zu tun und zu dienen wäre, und daraus wächst manche Erregung; manchmal weiß ich selbst nicht, was ich denke, und vergesse darüber, mit ganzem Herzen anzubeten. So kann ich nur bitten, dass Gott mehr Licht in mein Denken und Sinnen gibt; für mich ist gerade das Speisopfer die tägliche Übung.

Freilich kann ich nicht nur das Speisopfer haben und das Brandopfer nicht, denn das Brandopfer ist das Grundlegendste vom Grundlegenden und will jeden Tag dargebracht sein.

5. Die ersten Früchte, nicht das Übriggebliebene

Noch eines will ich anführen: die ersten Früchte.

Was in Ihrem Alltag aus dem Boden wächst und zuerst reif wird, das sollen Sie darbringen. Das hat mit unserem Geben zu tun. Viele denken: Was übrig bleibt, das bringe ich dar. So sagt es die Schrift nicht. Das Erste, was wächst, sollen Sie darbringen; darum heißt es das Speisopfer der ersten Früchte.

An dieser einen Sache habe ich lange geübt. In meiner Jugend hatte ich keine wirtschaftliche Grundlage, und beim Geben rechnete ich immer für mich: Die Kinder waren klein, wie sollte ich leben, was sollte ich tun, wenn mir in einer Not niemand hilft? Ebenso steht es nicht nur in Levitikus; auch der Exodus sagt, die Erstgeburt sollst du darbringen, das Beste sollst du darbringen. Levitikus spricht von den ersten Früchten. Die ersten Früchte — die möchten Sie doch selbst so schnell wie möglich in die eigene Scheune bringen; bringen Sie die wirklich dar?

Manchmal reden wir darüber hinweg, und dann ist es vorbei. In Wahrheit aber will es in allen Bereichen unseres Alltags geübt sein: Was ich durch meine Arbeit verdiene, ist meine erste Frucht, und ich bringe sie Gott mit Dank dar; die Hilfe, die ich von anderen empfange — auch jener Dank ist meine erste Frucht, und ich bringe ihn Gott dar. Für mich war das eine Sache, für die ich sehr, sehr viel Mühe gebraucht habe, bis ich hinüberkam. Lassen Sie uns also miteinander lernen, beim Speisopfer die ersten Früchte darzubringen und sie nicht in die eigene Scheune zu legen.

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Warum ist Levitikus so schwer zu lesen?

1. Zu blutig

Nehmen wir uns noch etwas Zeit zum gemeinsamen Antworten. Heute haben wir nur das Brandopfer und das Speisopfer besprochen.

Nach dem letzten Mal fand ich selbst, ich sei zu blutig gewesen. Aber Sie wissen ja: Rede ich nicht ein wenig blutig, spürt niemand etwas; rede ich blutig, hält es niemand aus. Der Schauplatz der Stiftshütte gleicht ja einem Schlachthof — haben Sie diese Vorstellung? Voller Blut. Und wo Blut ist, ist Tod; und worauf dieser Tod zeigt, ist das Leben. Später begriff ich, dass es den Geschwistern zu viel werden könnte, und da hielt ich den Mund. Dabei steckt darin so vieles: wie wir in diesem Feuer den Tod erfahren und zugleich erfahren, dass die Sünde gereinigt wird.

Vielleicht hören Sie lieber friedliche Worte, aber in Levitikus lässt sich das schwer so sagen; das Buch ist tatsächlich voller blutiger Szenen. Und das habe nicht ich mir ausgedacht. Auch in der Gemeinde wissen wir: Jesus Christus musste sein teures Blut vergießen; er starb, damit ich leben kann. In seinem Tod habe ich seine Auferstehung erfahren, und ebenso bin ich in ihm auferweckt.

2. Gehorsam ist besser als Opfer

Eine Schwester teilte einen Bibelvers mit uns:

„Meinst du, dass der HERR Gefallen habe am Brandopfer und Schlachtopfer gleichwie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern." 1. Samuel 15,22

Sie sagte: Wir lesen Levitikus, und diese fünf Opfer bringen uns Gott näher; aber lieber ist Gott der Gehorsam, das Hören. Wer gehorcht, wird gesegnet. Der Vers erinnert uns auch daran: Wir bringen Gott das Beste, aber Gott sieht immer auf unser Herz; der HERR prüft unser Herz. Amen!

3. Der Mensch mag keine Grenzen

Mein Eindruck ist: Die Menschen von heute hören nicht gern von Heiligkeit. In der Gemeinde ist dieses Thema sehr schwer zu behandeln; kaum spricht man davon, steht eine Mauer zwischen einem und den Hörern. Auch Prediger sprechen ungern von der Kanzel über Levitikus, wohl aus demselben Grund: Es ist voller Blutgeruch, es redet davon, dass der Mensch umkehren, vor Gott treten und die Gegenwart dieses heiligen Gottes brauchen muss. Diese beiden Worte mag man nicht. Absonderung zur Heiligkeit ist wirklich nicht leicht.

Wenn man aber nicht so redet, muss ich zurückfragen: Was empfangen wir eigentlich in der Gemeinde? Denn alle Gnade, alle Gerechtigkeit, jede Quelle hängt mit der Heiligkeit zusammen; daran kommen Sie nicht vorbei. Sie wollen Gottes Gnade, wollen aber mit der Heiligkeit nichts zu tun haben — das geht nicht, das ist nicht möglich. Denn das hieße menschliche Begierde. Wenn Ihre Liebe nichts mit Gottes Heiligkeit zu tun hat, ist sie nur eine Selbstbefriedigung des Menschen; und ebenso wird unser Maßstab der Gerechtigkeit, wenn er nichts mit Gottes Heiligkeit zu tun hat, zu Gewalt, und alles kommt nur noch aus dem eigenen Tun.

So denke ich manchmal: Auch ich höre in der Gemeinde eher selten von Heiligkeit und Absonderung, weil der Mensch keine Grenzen mag; er lässt sich lieber einen Spielraum offen.

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Schluss

Liebe Geschwister, wir sind heute nur zwei Opfer weit gekommen, das Brandopfer und das Speisopfer, und damit weit langsamer, als ich dachte. Fassen wir das Wichtigste noch einmal zusammen. Weil Leben im Blut ist, kann es Sühne schaffen; was kein Leben hat, kann für Lebendiges nicht eintreten, und meine eigene Schuld kann ich nicht sühnen. Das Volk zur Zeit der Könige hat nicht etwa nicht geopfert — nur hielt es äußerlich die Gebote des HERRN, während das Herz sich von ihm entfernt hatte. Beim Speisopfer ist es noch deutlicher: Das Salz sehen Sie nicht, den Sauerteig sehen Sie auch nicht, beides ist untergemischt und zeigt sich nicht nach außen — das Kleinste, das Häufigste, das, was niemand sieht, ist die Stelle, an der sich das Wirkliche zeigt.

Möge es in dieser Woche so sein, dass wir da sind und unser Herz auch; möge es so sein, dass wir das Erste zuerst hinlegen und nicht erst dann an ihn denken, wenn etwas übrig geblieben ist. Und möge die Gemeinde Holz haben und auch Fett — Gottes Wort und die Freude der Gemeinschaft unter Geschwistern —, damit dieses Feuer auf dem Altar nicht verlischt und unser ganzes Leben dem Herrn dient.

Levitikus · Teilnehmerblatt

Bibelstudium, Gemeindedienst und Glaubensalltag · IMC2.org
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